BILDGEDICHTE

Es gibt sehr viele Gedichte, die ich zu einem Bild oder Foto geschrieben habe - oder auch umgekehrt:
Es gibt Fotos oder Bilder, die mich zu einem Gedicht inspiriert haben.

Diese möchte ich hier vorstellen. Lasst Bild und Text auf euch wirken ...

Übersicht:

Wenn ich mal ein Mensch bin
Besuch von Herrn Stachelmann

Zarte Bande

Rote Rosen
Ließ für uns sein Leben
Das Spinnennetz

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Wenn ich mal ein Mensch bin …

 

Schon wieder sitzen sie am Tisch
Ich komme schon – doch du machst “wisch“
„Hier hast du einfach nichts zu suchen“
Doch hätt ich auch gern was vom Kuchen,
von Brotzeit, Suppe, Schweinebraten,
doch das würdest du nicht raten.
„Verschwinde“, hör ich dich nur sagen,
ich soll zu meinem Napf  hintraben.
Dabei lieb ich’s, mit euch am Tisch zu sitzen.
Doch trau ich mich nicht, was zu stibitzen.
 
Wenn du dann am Sofa liegst,
komm ich zu dir, und dann kriegst
du von mir den Bauch massiert,
mit meinen Krallen, dass man’s schön spürt.
Du sagst: „Du liebes Miezelein,
zieh doch wenigstens deine Krallen ein.“
Und du streichelst mich, ich schnurre
Während ich an deinem Pulli zurre.
Schon seit 16 Jahren bin ich bei dir,
und letztens sagtest du zu mir:
„Wenn du mal stirbst wirst du im nächsten Leben
Vielleicht ein Mensch, du kannst so viel Liebe geben.“
 
Und wenn ich ein Mensch bin, ich kanns schon bildlich sehn.
Ess ich auch vom Tisch … das wird tierisch schön. (2011)

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Besuch von Herrn Stachelmann

Im Garten besucht mich Herr Stachelmann,
sieht mich mit kleinen Äuglein an.
Als seine Blicke mich trafen,
stellte er sich schnell schlafen.
Seh ich dich nicht, siehst du mich nicht,
das dachte Stachelmann wohl sich. 

Ich nutzt' die Zeit um auf leisen Sohlen
Schnell ein bisschen Katzenfutter zu holen.
Stellt' ein Schüsselchen sanft vor ihn hin
Und tat so, als würd zurück ich mich ziehn.
Stachelmann hat wohl was gewittert,
weil plötzlich ganz arg sein Näslein zittert. 

Die Äuglein geöffnet, das Schälchen entdeckt.
Und Nullkommanix alles ausgeschleckt.
Ich hab derweil ein paar Fotos geschossen,
während Stachelmann hat Molli’s Futter genossen.
Der Herbst ist noch jung, du hast noch viel Zeit,
um Fett anzusetzen unter deinem Stachelkleid.
Kommst du ab und zu auf Besuch zu mir,
gebe ich öfter ein Schälchen mit Futter dir.
(Herbst 2007)
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Zarte Bande

Ein Bild, verschollen und wieder gefunden
Erzählt mir von lange verstrichenen Stunden
Von erster Liebe, einem Wir-gehören-zusammen
Von zarten Gefühlen – keine lodernden Flammen
Sanft knüpften wir unser zartes Band

Hier, in diesem Mohnfeld Hand in Hand

Du wolltest mich heiraten, wenn wir erwachsen sind

Damals waren wir beide noch Kind

Doch das Leben hat uns dann gelehrt,

Heiraten wäre für uns beide verkehrt

Irgendwann haben wir nämlich erkannt

Wir sind doch sowieso verwandt

Es gab keine Hochzeit, ist ja wohl klar

Denn wir sind Cousine und Cousin

Doch wir sind uns heut noch sehr verbunden

wenn auch ganz anders als zu diesen Kinderstunden

Wie schön, dass ich dies alte Foto fand

Träumend halte ich es in meiner Hand …
(2008)
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Rote Rosen

Ein Strauss roter Rosen kostbar und edel,
hast du ausgesucht, für dein Herzensmädel
Die Rosen kosten
eine Menge Geld
Das ist sie wert,
das liebste Mädel der Welt.
Wenn sie auch sonst
nicht viel von dir hat,
denn heute Abend
spielst du mit Freunden Skat.
Der Strauss sagt ihr,
wie viel sie dir bedeutet,
ich frag mich, warum
in mir die Alarmglocke läutet.
Die Rosen sollen
deine Zeit ersetzen,
du willst sie damit
nicht verletzen.
Doch ich seh ihr an,
so gern sie Rosen auch mag,
ihr wäre lieber,
du widmetest ihr diesen Tag.
Wie kostbar auch eure Geschenke sind,
ich sehe, wie sie leidet – und sie ist mein Kind.
(2005)
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Danke lieber Schutzengel,
dass du das Schlimmste für uns abgefangen hast ...
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LIESS FÜR UNS SEIN LEBEN

„Was macht denn der?!“ – „Schei*e!“
Bremsen quietschen, ein Aufprall
Airbags brechen aus
Gurte quetschen Rippen
Stöhnen überall

„Sofort raus hier!“
Nur Schmerzen – trotzdem irgendwie raus
Der Brustkorb schmerzt,
Atem hat keinen Platz mehr darin.
Auto Totalschaden
Sanka, Notaufnahme,
Glück gehabt –
dürfen wieder nach Hause

Zeit heilt hoffentlich die Prellungen
Nur der Schutzengel, der am Spiegel hing,
der ist zerschmettert.

Ließ für uns sein Leben …

30.12.2010

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Das Spinnennetz

Ganz flink und fleißig webt sie hier
Ein schönes Netz vor der Eingangstür.
Vor zwei Stunden noch konnte man hier hindurchschreiten
Jetzt glitzert im Sonnenstrahl ihr Netz von allen Seiten.
Ich steh im Eingang und kann sie nur bewundern,
wie ruhig und doch emsig dreht sie ihre Runden.
Befestigt an jedem langen Faden ihr Klebeband
Sodass innerhalb kurzer Zeit dies Meisterwerk entstand. 

Eigentlich mag ich diese Tierchen nicht so gern,
ich bewundere sie nur von fern.
Wieso baut sie ihr Netz grad in meine Tür?
Was soll das heißen, will sie etwas sagen mir?
Heißt es: Bleib heut lieber zuhause?
Heißt es: Dich erwartet nichts gutes da draußen?
Oder will sie mir ihre Zuneigung zeigen?
So steh ich vor dem Netz, überlege voll Schweigen.

Was solls, denk ich mir, ich geh zur Balkontüre raus
Lass ich ihr noch ein bisschen ihr gesponnenes Haus.
Öffne die Balkontür und was sehe ich?
Ein Frosch hüpft mir entgegen, als erwarte er mich.
Machen die beiden gemeinsame Sachen?
Ich weiß nicht, soll ich mich wundern oder lachen.
Ich nehme den Frosch, trag ihn hinauf in den Garten,
und sag ihm, er soll nicht auf der Terrasse auf mich warten.

Dann geh ich zur Spinne und sag „tut mir leid -
Eine Stunde lass ich dir dein Netz noch, aber dann wird es Zeit.
Dann kommt die Familie nach Haus durch die Tür.
Deshalb ist das gar kein guter Platz für dich hier.“
Nach einer Stunde war die Spinne weg –
Ich entfernte das Netz – hätt ja eh keinen Zweck.
Irgendwann passt irgendwer nicht auf,
dann klebt das Netz auf den Haaren drauf.
(2007)
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